Kinder

Kindergesundheit: Notfall-Ratgeber für Eltern

Von Fieberkrampf bis Pseudokrupp – wie Sie im Kindernotfall richtig reagieren und wann Sie ärztliche Hilfe brauchen.

Veröffentlicht: 31.12.2025 4 Min. Lesezeit Redaktion nrw-notdienst.de Kinder, Notfall, Fieber, Erste Hilfe, Eltern

Vorbereitung ist alles

Kindernotfälle kommen oft unerwartet und versetzen Eltern in Panik. Doch mit guter Vorbereitung und klarem Wissen um Warnsignale bleiben Sie handlungsfähig. Erstellen Sie eine Notfallliste mit wichtigen Telefonnummern und bewahren Sie sie sichtbar auf: Kinderarzt, ärztlicher Bereitschaftsdienst (116117), Notruf (112), Giftnotruf und die nächste Kinderklinik mit Notaufnahme.

Halten Sie Ihre Hausapotheke kindgerecht ausgestattet: Fieberzäpfchen oder -saft (Paracetamol, Ibuprofen), Elektrolytlösung bei Durchfall, Wund- und Heilsalbe, Pflaster, sterile Kompressen und ein Fieberthermometer. Frischen Sie regelmäßig Ihre Erste-Hilfe-Kenntnisse auf – viele Organisationen bieten spezielle Kurse für Kindernotfälle an.

Wann Sie sofort den Notruf 112 wählen sollten

  • Bewusstlosigkeit oder starke Benommenheit
  • Atemprobleme, Atemnot, bläuliche Verfärbung der Lippen
  • Starke allergische Reaktion mit Schwellungen im Gesicht
  • Krampfanfall, der länger als 3 Minuten dauert
  • Schwere Verletzungen mit starker Blutung
  • Vergiftungsverdacht
  • Sturz aus großer Höhe oder auf den Kopf mit Bewusstseinsstörung

Im Zweifel gilt: Lieber einmal zu viel anrufen als zu spät reagieren. Die Leitstelle berät Sie kompetent.

Fieber bei Kindern richtig einschätzen

Fieber ist bei Kindern häufig und meist harmlos – der Körper kämpft gegen Infekte. Ab 38,5°C spricht man von Fieber. Wichtiger als der genaue Wert ist der Allgemeinzustand: Trinkt das Kind, spielt es noch, reagiert es auf Ansprache? Säuglinge unter drei Monaten mit Fieber über 38°C sollten immer ärztlich untersucht werden.

Fieberkrämpfe treten bei etwa 3-5% aller Kinder auf und sind beängstigend, aber meist harmlos. Das Kind verliert kurz das Bewusstsein, der Körper versteift sich oder zuckt. Bleiben Sie ruhig, sichern Sie die Umgebung, legen Sie das Kind in stabile Seitenlage und rufen Sie beim ersten Mal oder bei Krämpfen länger als 3 Minuten den Notruf. Nach dem Krampf sollte das Kind kinderärztlich untersucht werden.

Pseudokrupp und andere Atemnotfälle

Pseudokrupp tritt meist nachts auf: Das Kind wacht mit bellendem Husten, pfeifenden Atemgeräuschen und Atemnot auf. Bleiben Sie ruhig – Ihre Angst überträgt sich aufs Kind und verschlimmert die Symptome. Nehmen Sie das Kind hoch, öffnen Sie das Fenster für kühle, feuchte Luft oder gehen Sie mit ihm ins Badezimmer und lassen Sie warmes Wasser laufen (Dampf). Meist bessert sich der Zustand schnell.

Bessert sich die Atemnot nicht oder nimmt zu, rufen Sie den Notruf. Geben Sie dem Kind nichts zu trinken während der Atemnot besteht – Verschluckungsgefahr! Nach einem Pseudokrupp-Anfall sollten Sie tags darauf zum Kinderarzt, um abzuklären, ob weitere Behandlung nötig ist.

Vergiftungen

Hat Ihr Kind etwas Giftiges verschluckt, rufen Sie sofort den Giftnotruf an (z.B. Bonn: 0228-19240). Halten Sie die Verpackung oder Pflanze bereit. Lösen Sie KEIN Erbrechen aus – viele Substanzen schädigen beim Hochkommen noch mehr. Der Giftnotruf berät Sie, ob Sie Wasser geben sollen und ob ärztliche Versorgung nötig ist.

Häufige Kinderkrankheiten

Drei-Tage-Fieber, Mittelohrentzündungen, Magen-Darm-Infekte – viele Kinderkrankheiten sind unangenehm, aber meist harmlos. Wichtig ist, dass Sie Warnsignale erkennen: Nackensteifigkeit, anhaltendes Erbrechen, Austrocknung (trockene Windeln, keine Tränen), Hautausschläge mit Fieber oder Teilnahmslosigkeit sollten ärztlich abgeklärt werden.

Nutzen Sie außerhalb der Sprechzeiten den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117. Das geschulte Personal schätzt ein, ob Sie in eine Praxis kommen sollten oder ob Hausmittel ausreichen. In NRW finden Sie über nrw-notdienst.de auch schnell die nächste geöffnete Notdienstapotheke, wenn Sie nachts dringend Medikamente benötigen.

Unfälle vermeiden und versorgen

Die meisten Kinderunfälle passieren zu Hause. Sichern Sie Steckdosen, Treppen und Fenster, bewahren Sie Medikamente und Putzmittel außer Reichweite auf und lassen Sie kleine Kinder nie unbeaufsichtigt in der Badewanne. Bei Stürzen beobachten Sie das Kind 24 Stunden: Erbricht es, ist es ungewöhnlich müde oder verhält es sich anders als sonst? Dann ab zum Arzt oder in die Notaufnahme.

Kleine Schnittwunden reinigen Sie mit klarem Wasser, desinfizieren sanft und versorgen sie mit Pflaster. Bei tiefen, klaffenden Wunden oder Platzwunden am Kopf sollten Sie ärztliche Hilfe aufsuchen – möglicherweise ist eine Naht nötig. Mit Wissen, Vorbereitung und Ruhe meistern Sie Kindernotfälle souverän!

Einordnung für den Alltag

Dieser Beitrag ersetzt keine persönliche Beratung in Arztpraxis oder Apotheke. Er soll helfen, Beschwerden besser einzuordnen, sinnvolle Fragen vorzubereiten und Warnzeichen früh zu erkennen. Wenn Symptome stark sind, länger anhalten, wiederkehren oder Kinder, Schwangere, ältere Menschen beziehungsweise chronisch Erkrankte betroffen sind, sollte medizinischer Rat eingeholt werden.

Für dringende Arzneimittel außerhalb der regulären Öffnungszeiten finden Sie über nrw-notdienst.de die aktuelle Notdienst-Apotheke in Nordrhein-Westfalen. Prüfen Sie vor dem Losfahren Adresse, Dienstzeit und Telefonnummer, da sich lokale Dienste kurzfristig ändern können.

Bewahren Sie wichtige Informationen wie aktuelle Medikamente, Dosierungen, Allergien, Vorerkrankungen und Telefonnummern behandelnder Praxen griffbereit auf. Gerade bei wiederkehrenden Beschwerden hilft eine kurze Notiz zu Beginn, Dauer, Auslösern und bisherigen Maßnahmen, damit Fachpersonal die Situation schneller einschätzen kann.

Bei rezeptfreien Arzneimitteln lohnt sich eine kurze Rückfrage zu Wechselwirkungen, Einnahmezeitpunkt und maximaler Anwendungsdauer. Das gilt besonders, wenn mehrere Präparate kombiniert werden, wenn bereits Dauermedikamente eingenommen werden oder wenn Beschwerden trotz Selbstbehandlung nicht zeitnah besser werden.